Bremen, 11.3.2011 - "Boykottiert Israels Früchte - Rettet das palästinensische Volk" - BDS-Aktion des Bremer FriedensforumsBilder
Boykott-Aufruf

Wir schließen uns dem weltweiten Appell besorgter Juden und Jüdinnen an und rufen mit ihnen zum Boykott auf - Kaufen Sie keine Früchte aus Israel und den besetzten Gebieten!

Was Sie über Produkte aus Israel wissen sollten:
  • Israel hält das palästinensische Westjordanland seit über vier Jahrzehnten völkerrechtswidrig besetzt, baut dort Siedlungen und unterdrückt die einheimische Bevölkerung. Ein Teil der israelischen Exportwaren wird in diesem Gebiet geerntet oder hergestellt. Diese werden meistens mit israelischen Produkten vermischt, unter den Kennzeichnung „Made in Israel“ verpackt und durch israelische Unternehmen (z.B: Agrexco) in Europa vertrieben. Die Markennamen sind: Carmel, Carmel Bio top, Jaffa, Jordan plains, Alesia und und Dalia.

  • Folgende Produkte fallen darunter: Datteln, Blumen, Trauben, Kräuter, Cherry-Tomaten, Gurken, Paprikas, Avocados, Peperoni und Zitrusfrüchte. Dazu gehören aber auch andere Produkte: etwa der Wassersprudelbehälter Soda-Club, der in vielen Büros steht. Die Geräte werden in der Siedlung Mishor Edumin hergestellt. Auch Produkte der Kosmetikfirma Ahava, die Salze, Mineralien und Schlamm aus dem Toten Meer verarbeitet, gehören dazu.

  • Der undeklarierte Export aus den besetzten Gebieten ist illegal. Er ist eine krasse Verletzung internationaler Abkommen (Freihandelsabkommen, Genfer Konvention der Menschenrechte und das Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2010).

  • Nur durch den Boykott solcher Waren und einen Investitionsstopp von europäischen oder amerikanischen Unternehmen, die in den besetzten Gebieten tätig sind, kann Druck auf Israel ausgeübt werden, um den völkerrechtswidrigen Siedlungsbau und die Jahrzehnte langen schweren Verletzungen der Menschenrechte und des Völkerrechts zu beenden und den Palästinensern das Selbstbestimmungsrecht zu geben.
Auch der Weltkirchenrat in Genf unterstützt die Boykottaktionen (Verlautbarung vom 2.9.2009). Die Boykottaktionen gegen das südafrikanische Apartheidregime haben gezeigt, wie erfolgreich ein solcher Protest sein kann.
Wir sind uns der Verantwortung der Deutschen gegenüber den Juden auf Grund der deutschen Geschichte zutiefst bewusst. Boykottaktionen gegen israelische Waren könnten leicht in den Ruch der verhängnisvollen Aufforderung der Nazis „Kauft nicht bei Juden!“ kommen. Ein solcher Vorwurf ist in diesem Fall völlig abwegig. Wir wollen mit unseren Aktionen, die weltweit laufen und auch von vielen Juden und Israelis unterstützt werden, Druck auf Israel ausüben, sich an internationale Konventionen, Völkerrecht und Menschenrechte zu halten. Wir mahnen auch die Bundesregierung, in diesem Sinne auf Israel einzuwirken. Wir haben nicht nur Israel gegenüber eine Verantwortung, sondern auch gegenüber den Palästinensern! Sowie der Staat Israel seine völkerrechtswidrige Politik aufgibt und die Besatzung beendet, enden auch die Boykottaktionen.
V.i.S.d.P.: Bremer Friedensforum
AK Süd-Nord Bremen


Quelle: dielinke-bremen.de


Boykottaktion in der Wachmannstrasse

Bericht von Sönke Hundt vom 11. März 2011

Diskutiert worden war schon lange vor der Aktion. Schon am 3. März hatte die Taz ein Interview mit Hermann Kuhn, Abgeordneter der Grünen und Gegner der Aktion, gebracht; danach gab es eine Reaktion von Arn Strohmeyer, einem der Organisatoren und Befürworter der Aktion, dann wieder eine Erwiderung der Taz und dazu Leserbriefe. Gut informiert und berichtet hatte - ebenfalls vor der Aktion - der Weserkurier, der ausführlich Gegner und Befürworter zu Wort kommen ließ.

Heute, am 11. März, um 16 Uhr vor dem Rewe-Markt in der Wachmannstraße in Schwachhausen postierten sich die AktivistInnen vom Bremer Friedensforum (Arbeitsgruppe Nahost), dem Arbeitskreis Süd-Nord Bremen und der Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg mit ihren umgehängten Sandwich-Plakaten, verteilten Informationsmaterial und versuchten, mit den Passanten ins Gespräch zu kommen.

Die Bremer AktvistInnen schließen sich dem weltweiten Appell an und rufen zum Boykott von Produkten auf, die mit dem Herkunftsland Israel gekennzeichnet sind. Darunter fallen Datteln, Blumen, Trauben, Kräuter, Cherry-Tomaten, Gurken, Paprika, Avocados, Peperoni, und Zitrusfrüchte. Die Begründung: Israel hält das Westjordanland entgegen vielen UN-Resolutionen seit Jahrzehnten besetzt, baut dort immer mehr illegale Siedlungen und exportiert die dort geernteten Früchte. Das ist alles völkerrechtwidrig, und der Export aus den besetzten Gebieten illegal. Ausführliche Begründung für den Boykott-Aufruf hier.

Ein Boykott sei geeignet, die öffentliche Meinung aufzurütteln, um den internationalen Druck auf Israel zu erhöhen. Ausdrücklich wird auf das Beispiel Südafrika hingewiesen. Boykott-Aktionen gegen Gemüse und Obst aus den besetzten palästinensischen Gebieten werden seit längerem in mehreren deutschen Städten und in vielen Ländern durchgeführt. Der Weltkirchenrat in Genf (in seiner Verlautbarung vom 02.09.2009) unterstützt die Boykottaktionen ausdrücklich. Außerdem, darauf legten die Boykott-Organisationen natürlich großen Wert, wird die Aktion auch von vielen jüdischen und israelischen Gruppen unterstützt, darunter die durch Uri Avnery bekannteste Gruppe in der israelischen Friedensbewegung "Gush Shalom".

Die Diskussionen vor dem Rewe-Supermarkt waren z. T. sehr heftig und sehr emotional. Den Organisatoren war natürlich bewusst, dass eine Boykottaktion in Deutschland viele böse Assoziationen hervorrufen könnte. Wohlweislich waren sie in ihrem Flugblatt gleich darauf eingegangen. "Wir sind uns der Verantwortung der Deutschen gegenüber den Juden aufgrund der deutschen Geschichte zutiefst bewusst. Boykottaktionen gegen israelische Waren könnten leicht in den Ruch der verhängnisvollen Aufforderung der Nazis 'Kauft nicht bei Juden' kommen. Ein solcher Vorwurf ist in diesem Fall abwegig. Wir wollen mit unseren Aktionen, die weltweit stattfinden und auch von vielen Juden in aller Welt und Israelis in Israel unterstützt werden, Druck auf die israelische Regierung ausüben, sich an das internationale Völkerrecht und an die Menschenrechte zu halten."

Die Diskussionen wurden richtig laut, begleitet auch von kleinen Rangeleien, als eine Gruppe von vielleicht 15 jüngeren Menschen sich in die Aktion einmischte und hartnäckig immer wieder das eine Argumente wiederholte: in Deutschland dürfe ein solcher Boykott nicht stattfinden; es wäre eine faschistische Aktion. Obwohl mehrfach befragt, erklärten die jungen Leute, keiner bestimmten Organisation anzugehören sondern nur als einzelne sich die Aktion ansehen zu wollen. Wer ihnen zuhörte, merkte bald die "antideutsche" Herkunft ihrer Argumente. Deutsche wären die "Nation der Täter", auch in der zweiten, dritten und vierten Generation. Deutsche hätten kein Recht zu irgendeiner Kritik an der Politik der israelischen Regierung. Weil es von vorherein und grundsätzlich nur antisemitisch wäre.

Die OrganisatorInnen beurteilten ihre etwa einstündige Aktion trotzdem als Erfolg. Mit vielen Passanten hätte man diskutieren können und Informationen weitegeben können. Erschreckend allerdings wäre die verbreitete Unkenntnis über die Politik Israels in den besetzten Gebieten. Die Organisatoren beschlossen in einer kurzen Nachbesprechung, die Aktion in der nächsten Zeit vor einem anderen Supermarkt in einem anderen Stadtteil Bremen fortzusetzen.

Quelle: dielinke-bremen.de